Aus und vorbei! Ich werde keine Texte mehr schreiben!
Das Ende einer ganz persönlichen (und schonungslos ehrlichen) Geschichte.
Ich habe Schluss gemacht mit Texte schreiben.
Naja … nicht prinzipiell (wie du siehst 😉)
Aber für einen Kunden. Keinem x-beliebigen Kunden, sondern meinem ersten und größten. Einem Kunden, wie es eigentlich keinen besseren geben kann. Trotzdem habe ich mich von ihm getrennt.
Klingt, als hätte ich den Verstand verloren? Hab ich aber nicht. Im Gegenteil: Ich habe mich endlich wieder unter Kontrolle.
Aber am besten, ich erzähle dir die ganze Geschichte.
„Volltreffer“ dachte ich, als ich es entdeckte. Dieses Posting, in dem jemand für Marketing-Texte gesucht wurde. Damals, ganz am Anfang meiner Selbstständigkeit. Ich steckte mitten in der Gründungsphase. Irgendwo zwischen brennender Vorfreude auf meine ersten Gehversuche als frisch gebackene Unternehmerin, und dem letzten fehlenden Quäntchen Entschlossenheit, die Sache endlich richtig anzugehen.
Natürlich wusste ich genau, was ich anbieten konnte und wollte: wirklich gute Texte. Eben Texte mit Mehrwert. Aber ob dieser Plan auch aufgeht, wusste ich nicht. Dafür fehlten mir einfach noch die Erfahrungswerte. Und ein bisschen wohl auch das nötige Selbstvertrauen.
Also wollte ich mir erst mal ein Bild machen. Vom Markt, vom Mitbewerb, von Angebot und Nachfrage. Ein Gefühl dafür kriegen, was sich in der Branche überhaupt so tut. Um mich und meine Erfolgschancen besser einschätzen zu können. Und mir die richtige Strategie zu überlegen, bevor ich endgültig durchstarte. Aber dann stolperte ich eben zufällig über dieses Posting … und alles kam anders.
Marketing-Texte schreiben? Mein Spezialgebiet!
Es war wie für mich gemacht. Genau meine Komfortzone. DIE perfekte Gelegenheit, um klein anzufangen. Etwas Besseres konnte mir fast nicht passieren. Wozu sollte ich noch länger warten?
Also schickte ich einfach ein Mail. Ein sehr kurzes Mail. Nur ein paar Zeilen. Dass ich eben eine Mischung aus Texter-Rookie und Marketing-Oldie bin – und voller Tatendrang. Sonst nichts. Recht viel mehr hatte ich auch noch nicht zu bieten. Keine Referenzen. Nicht einmal nennenswerte Textproben – abgesehen vielleicht von dem ersten Blog-Artikel auf meiner Website. Deshalb wollte ich mir irgendwie auch gar keine allzu großen Hoffnungen machen.
Aber siehe da: Es kam wirklich eine Antwort. Samt Einladung zu einem Probeartikel. Und der dürfte wohl überzeugt haben. Denn kurz darauf folgte doch glatt das Angebot für eine fixe Zusammenarbeit.
Das Projekt war der absolute Hammer. Und eine Mordsherausforderung.
Unglaublich – ich hatte tatsächlich meinen ersten Auftrag in der Tasche. So schnell. Und dann gleich so einen! Ich sollte nämlich als Ghostwriter für eine der bekanntesten Online-Marketing-Plattformen schreiben. Mehrere Blog-Artikel pro Monat. Zu den unterschiedlichsten Themen. Wahnsinn! Wie genial war das denn bitte?
Nur eins stand auch fest: Die Latte lag ganz schön hoch! Von wegen „klein anfangen“ – da hatte ich mir ja gleich einen ordentlichen Brocken vorgenommen. Aber ich war natürlich hoch motiviert. Und ehrgeizig genug, diese Challenge anzunehmen.
Es lief richtig gut. Außer dieser Kleinigkeit.
Also startete ich los – mit den ersten Artikeln! Ich legte mich richtig ins Zeug. Schließlich wollte ich zeigen, was ich kann. Und wurde für meinen Einsatz belohnt: Das Feedback vom Kunden war total positiv. Er fragte mich sogar, ob ich noch mehr Blog-Beiträge schreiben kann – und ob ich auch an anderen Projekten mitarbeiten möchte. Der Kunde war mit meiner Arbeit also sehr zufrieden. Besser konnte es eigentlich nicht laufen.
Abgesehen davon, dass es jedes Mal ziemlich lange dauerte, bis ich einen Artikel fertig hatte. Zu lange. Zuerst sah ich das ja noch sehr gelassen. Am Anfang ist das doch ganz normal bei so einer Aufgabe. Ich muss eben erst hineinwachsen. Und wahrscheinlich bin ich nach der Babypause einfach noch ein wenig eingerostet. Hauptsache, das Ergebnis stimmt. Das mit dem Zeitaufwand wird sich schon einpendeln.
Das Problem war nicht der Kunde, sondern ich!
Und so machte ich weiter. Schrieb Artikel um Artikel. Die Zusammenarbeit mit dem Kunden war super. Total unkompliziert und harmonisch. Und ich wurde immer routinierter. Aber schneller wurde ich deswegen nicht.
Ich dokterte ewig an Formulierungen herum, änderte x-mal irgendwas um. Nicht, weil es der Kunde von mir verlangte, der bekam von alldem gar nichts mit. Sondern, weil ich meine eigenen hohen Ansprüche nicht erfüllte. Ich hatte immer das Gefühl, es war noch nicht gut genug. Es muss einfach noch besser gehen. Ich stand mir mit meinem grenzenlosen Perfektionismus selber im Weg.
Langsam wurde ich unrund. Was ich da machte, war alles andere als wirtschaftlich. Dabei hatte der Kunde sogar mein Honorar schon nachgebessert, nachdem ich das mit meinem Zeitproblem offen angesprochen hatte. Trotzdem war das Projekt rein finanziell immer noch wenig profitabel.
Aber damit hätte ich ja sogar noch leben können. Immerhin machte sich dieser Kunde echt gut auf meiner Referenzliste. Und nebenbei erweiterte ich bei der Themen-Recherche mein eigenes Marketing-Know-how gleich mit. So betrachtet, war die Zeit dann ja irgendwie auch eine Investition in meine Zukunft.
Anstatt besser zu werden, wurde es immer schlimmer.
Viel mehr Sorgen machte mir die Tatsache, dass ich langsam an meine Kapazitätsgrenzen stieß. Ich hatte inzwischen auch einige andere Kunden, um die ich mich kümmern musste (und auch wollte). Unnötig viel Zeit zu verplempern war also nicht mehr länger drin. Vor allem, weil meine Familie schon oft zurückstecken musste. Dabei hatte ich mir geschworen, dass sie immer an erster Stelle stehen wird. Es musste sich jetzt echt schleunigst etwas ändern.
Aber es war ein Teufelskreis. Je mehr ich mir vornahm, nicht so kritisch mit mir zu sein, desto weniger war ich mit dem Ergebnis zufrieden. Ich konnte es einfach nie gut sein lassen und geriet immer mehr unter Druck.
Meine To-do-Liste wurde länger und länger. Die normale Arbeitszeit reichte schon längst nicht mehr aus, um alles zu erledigen. Ich saß praktisch jeden Abend, sogar die Wochenenden gingen regelmäßig drauf, weil ich im Zeitplan hinterherhinkte.
Es war zum Verzweifeln. So hatte ich mir die Selbstständigkeit nicht vorgestellt. Ich wollte doch flexibel sein. Frei über meine Zeit verfügen können. Und jetzt blieb einfach alles auf der Strecke, was mir wichtig war. Weil die Arbeit mein Leben dominierte.
Es kam, was kommen musste: der totale Zusammenbruch.
Ich war viel zu stolz, um zuzugeben, dass mir alles über den Kopf wächst. Dass ich es einfach nicht mehr schaffe. Obwohl die Alarmglocken längst schrillten. Aufgeben? Niemals! Was würde denn der Kunde dann denken? Jetzt reiß dich doch endlich zusammen!
Und so war es nur noch eine Frage der Zeit, bis überhaupt nichts mehr ging.
Wie blockiert saß ich stundenlang vor dem Computer. Starrte irgendwelche Wortfetzen an, unfähig einen geraden Satz daraus zu machen. Geschweige denn, einen ganzen Artikel. Egal, was ich auch versuchte, es kam nichts dabei raus.
Ich war am Ende. Körperlich und psychisch. Mein Kopf war so leer und gleichzeitig so voll, dass mir schwindelig wurde. Ich wollte nicht mehr essen und konnte nicht mehr schlafen. Mein Herz raste, als würde es gleich zerspringen. Und ich hatte das Gefühl, zu ersticken – an meiner Wut, meinen Selbstzweifeln, meinem schlechten Gewissen. Weil ich dachte, in jeder Hinsicht versagt zu haben. Als Texterin. Als Unternehmerin. Als – und das war das Schlimmste – Mutter und Partnerin.
Erst da wurde mir klar, wie schlecht es mir wirklich geht. Was ich meiner Familie damit zumute. Und ich wusste, was zu tun ist: Ich musste die Reißleine ziehen. Sofort! Bevor der Schaden noch größer wird.
Und auf einmal war alles so leicht …
Also tat ich endlich, was ich schon längst hätte tun müssen: Ich schickte dem Kunden meinen 80. (!!!!) Artikel und teilte ihm mit, dass es gleichzeitig mein letzter sein wird. Dass ich die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung beende, weil ich nicht mehr kann. Ich sagte ihm einfach die Wahrheit. Was er von mir denkt, war mir völlig egal. Das war plötzlich überhaupt nicht mehr wichtig.
Ich wusste, dass es die richtige Entscheidung ist. Schon in dem Moment, als ich auf „Senden“ drückte, fühlte ich mich unheimlich befreit. Es war vorbei! Ich brauchte den Schein nicht mehr länger zu wahren. Niemandem mehr etwas vormachen. Endlich war Licht am Ende dieses schrecklich langen, dunklen Tunnels. Die ganze Last fiel von mir ab. Der Druck löste sich auf. Im wahrsten Sinne des Wortes auf Knopfdruck.
Und seitdem geht es wieder steil bergauf. Meine Motivation ist zurück, die Energie, die Zuversicht. Das Leben macht mir wieder so viel Spaß und beim Arbeiten sprudelt es nur so aus mir raus.
Irgendetwas ist anders. Leichter. Besser. Auf einmal geht sich nicht nur bei meinen Kundenprojekten alles wunderbar aus. Es bleibt sogar noch Zeit für meine eigenen Ideen (zum Beispiel einen Adventkalender auf meiner Facebook-Seite oder eben diesen Blog-Artikel). Und natürlich für meine Familie. Ich fühle mich, wie ein anderer Mensch. Und soll ich dir was verraten? Das bin ich auch geworden. Weil ich gelernt habe, zufriedener mit mir zu sein!
Happy End!
Das war sie also. Meine Geschichte. Unzensiert – mit all ihren dunklen Kapiteln, auf die ich durchaus hätte verzichten können. Aber soll ich dir was verraten? Im Nachhinein betrachtet sind sie gar nicht mehr so dunkel. Weil schließlich eine gute Geschichte daraus geworden ist.
Und genau deshalb wollte ich sie dir erzählen:
Um dir zu zeigen, dass es oft die dunkelsten Kapitel sind, die zum Happy End führen.